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    „Westfalen-Blatt“ 26./27.05.2005 (Judith Frerick)

Pogàcsa, Paprika und Piroska

Evelin Oertelt liest im »Glascafé« aus ihrem Erstlingswerk

Marienfeld (jaf). Köstliches »Pogàcsa«, ein feines Salzgebäck, stand auf den Tischen des Glascafés, mitreißende ungarische Musik lief leise im Hintergrund. So konnten sich die gut 20 Zuhörer schon einmal auf einen pfefferigen Abend mit der Hammer Autorin Evelin Oertelt freuen. Sie hatte  ihr Buch »Ungarn ­ nicht nur Paprika und Piroska« mitgebracht und las aus dem grünen Debüt-Werk vor.

Mit Charme, Witz und sprachlicher Finesse erzählte sie lebhaft von ihrer Zeit in Ungarn, wo Evelin und Klaus-Christian Oertelt ein Ferienhaus gekauft haben, und zwar am Plattensee. Mehrmals im Jahr pendelt das Ehepaar zwischen Hamm und Ungarn. Das in der Ferne Erlebte hat die Autorin feinsäuberlich notiert ­ und daraus ein Buch gemacht. »Ohne Anna, unsere Nachbarin am Balaton, würde es dieses Buch gar nicht geben«, sagte Oertelt und plauderte drauflos. Vor allem der Witz ihrer
Schwabendeutsch sprechenden Nachbarin hätte einfach konserviert werden müssen. Und mit ebenso viel Witz imitierte die Hammerin ihre liebgewonnene Anna.


Letztere ist über jeden und alles in dem hübschen Dorf am Südufer des
Balaton bestens unterrichtet. Und Anna meint, dass es mit der Belastbarkeit der deutschen Hausfrauen nicht weit her ist. »Bist faul?«, diese Frage hat Evelin Oertelt, die nur wahre Geschichten wahrheitsgetreu wiedergibt, nicht nur einmal gehört. Die Gäste im Glascafé schmunzelten. Minute für Minute mit der Autorin versprachen Kurzweil, und nicht nur wegen Anna und ihrem Dialekt. Die Zuhörer erfuhren auf amüsante Art und Weise auch mehr über das Land und die Leute.

So hörten sie, dass es in Ungarn viel zu entdecken gibt: »Man findet Dörfer, wo die Zeit stehen geblieben ist, wo die Feldarbeit noch mit Eseln und Rindern verrichtet wird. Und es gibt eine fantasievolle Architektur, die einem deutschen Statiker die Schweißperlen auf die Stirn zaubern würde«. Geht nicht ­ das gebe es nicht in Ungarn, wo Gotteshäuser als Eule gestaltet werden. Und noch etwas gibt es in Ungarn: die Umweltpolizei, die genau schaut, wie lang der Rasen steht. Ist er zu lang, wird ein Bußgeld verhängt. »Das ist wegen der Allergie auslösenden Gräser«, erläuterte Evelin Oertelt den verdutzten Zuhörern. Kein Zweifel, Ungarn ist mehr als nur Paprika.

 

 

 

Foto: Poetter, „Die Glocke“

 

       „Die Glocke“ 25.05.2005

Nette Episoden aus Ungarn

Bei Heirat auch neuer Vorname 

Marienfeld(upk). Dass Agnes Gausling zu dieser Autorenlesung besonders gern ins Glascafé eingeladen hatte, lag auf der Hand: Schließlich ist Evelin Oertelts Debüt-Buch „Ungarn – nicht nur Paprika und Piroska“, aus dem die Autorin am Montag zahlreiche amüsante Geschichten vortrug, eine wunderbare Liebeserklärung an die ungarische Heimat der Marienfelder Geschäftsfrau.Vor rund sieben Jahren haben sich Evelin Oertelt und ihr Mann Klaus am Plattensee (Balaton) ein Ferienhaus gekauft. „Ein Immobilien-Schnäppchen, dem wir damals nicht widerstehen konnten“, verrät die Autorin aus Hamm. Auslöser des Spontankaufs sei der Besuch bei ihrer Schulfreundin Ulrike gewesen, die sich kurz zuvor zusammen mit ihrem Mann ein Ferienhaus in Siófok gekauft hatte. Die Oertelts leben seitdem von März bis Oktober in ihrem ungarischen Domizil und lieben die weite Landschaft ebenso wie die Vogel- und Froschkonzerte. Sie haben Land und Leute kennen und schätzen gelernt, ungarische Freunde und Bekannte gefunden und fühlen sich quasi als Teilzeit-Ungarn.

Im Umgang mit Nachbarn und Dorfbewohnern habe sie Nachdenkliches und Lustiges, aber auch Skurriles erlebt, so die Autorin und berichtet, dass ungarische Frauen mit der Heirat nicht nur den Nachnamen sondern auch den Vornamen verlieren: „Das musste ich einfach festhalten.“ Für ihr Buch konnte Evelin Oertelt nicht nur auf Notizen und ihren Zettelkasten zurückgreifen, auch Briefe an Bekannte waren hilfreich. Sie will mit ihren humorvoll geschilderten kleinen Geschichten nicht nur unterhalten, sondern auch Verständnis und Interesse für Land und Leute wecken. Mit der lebensklugen und patenten Anna, der Hauptfigur ihres Buchs, gelingt ihr das auf sympathische Weise.

Die über 60-jährige Anna – sie ist Schwabendeutsche und hat einen herrlichen Dialekt – sei Helferin in allen ungarischen Lebenslagen, so die Autorin. Sie erzählt von einer Frau mit Herz, die natürlich gut kochen kann und mit dem kleinen Gemüsebeet hinterm Haus die ganze Familie durchfüttert. In lustigen Alltags- und Familiengeschichten wird ein authentisches Bild über das nicht immer pflegeleichte Zusammenleben von Ungarn, Schwabendeutschen und Deutschen jenseits touristischer Sichtweisen gezeichnet.

 

       „Westfälischer Anzeiger“ 22.09.2004

Liebeserklärung an Ungarn

LITERATUR – Knapp 50 Gäste amüsierten sich über Evelin Oertelts Buch-Debüt

HAMM . Knapp 50 Zuhörer – mehr als bei so manch etabliertem Schriftsteller – wollten am Montagabend Evelin Oertelts humorige Geschichten aus Ungarn hören, die sie in ihrem Erstlingswerk „Nicht nur Paprika und Piroska“ veröffentlicht hat (WA berichtete). In rund eineinhalbstündiger Lesezeit amüsierte die Autorin ihre Zuhörer mit zahlreichen Kostproben: Geschichten von ihrer ebenso hilfsbereiten wie eifersüchtigen Nachbarin Anna, von einem die Geduld arg strapazierenden Bankbesuch, von der – manchmal erschreckenden – Improvisationskunst bei Reparaturen und von Tücken des Handy-Gebrauchs, auf die hierzulande wohl kaum jemand kommen würde.

Zuvor gab Bücherei-Mitarbeiterin Bianca Wantia Informationen zu Oertelts Biografie und zum Inhalt des 206-seitigen Buches, das letztlich entstanden ist, weil Oertelts 1998 ein Ferienhaus kauften. Entstanden sei eine „Liebeserklärung an Ungarn, die Magyaren und an ihren Mann“.

Oertelt selbst nahm die Zuhörer mit in „ihre“ kleine Stadt am Südufer des Balaton. Vor allem der Witz, die An- und Einsichten ihrer Schwabendeutsch sprechenden Nachbarin Anna hätten konserviert werden müssen, nannte sie einen Grund, warum sie das Buch geschrieben hat. Ihr Ziel, die Besucher mit Geschichten um den deutsch-ungarischen Spagat zum Schmunzeln zu bringen, erreichte sie mehr als deutlich, wie das wiederholte Lachen zeigte. Anteil daran hatte sicher auch Annas Dialekt, der einen großen Teil der Stimmung vermittelte: „Ich versuche ihre sprachlichen Eigenarten möglichst authentisch wiederzugeben“, hatte Oertelt das Publikum vorgewarnt.

Fragen gab es im Anschluss an die Lesung kaum, dafür kam bereits in der Pause die ungarische Weinprobe bestens an. (san)